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Motiv

Heilpraktiker im Wandel der Zeit

„Ein Heiler, der kein Künstler ist, ist auch kein Heiler.“ (Curt Goetz)

In unserem Land hat sich das Berufsbild des Heilpraktikers über die Jahrzehnte hinweg gewandelt. Aus dem ehemaligen Naturheilkundler ist ein dienstleistender Heilpraktiker mit fachspezifischer Kompetenz geworden. Die Glaubwürdigkeit der Heilpraktiker wird jedoch öfter infrage gestellt, da man ihnen - teilweise sicher zu Recht - ein folgerichtiges, kompetentes und selbstloses Denken und Handeln zum Wohle des kranken Menschen in umfassender Weise abspricht.

Tatsächlich gibt es gegenwärtig wohl wenige, von denen man sagen würde, sie seien „passionierte Heiler“. Die Geheimnisse der menschlichen Natur und die Krankheiten zu ergründen erfordert die ganze Hingabe an den Beruf der Naturheilkunde.

Ein grundlegendes Element, welches zur Ausübung des Heilpraktikerberufes überhaupt befähigt, ist eine natürliche Begabung. Um diese zu entwickeln und verantwortungsvoll umsetzen zu können, bedarf es neben einer fundierten Ausbildung der ethisch und geistigen Basis.

Nur mit dieser Sensibilität ist es möglich, den Geheimnissen des Lebens und der menschlichen Natur als Einheit von Leib und Seele besser auf die Spur zu kommen. Es gehört dazu die Schwächen und Probleme jedes einzelnen Kranken sicherer zu erkennen und in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen. Dem Behandler sollte es gelingen, Antworten zu finden auf die drängenden Fragen seiner schwer kranken Patienten nach den letzen Dingen, nach dem Sinn des Leidens und dem Leben überhaupt.

Vielen Heilpraktikern steht gerade dieses wichtige geistige Fundament nicht, oder nicht mehr zur Verfügung. Man orientiert sich in der pragmatischen Gedankenwelt des technisch Machbaren. Zusätzlich sind es vorgefertigte Therapiekonzepte, die nicht selten von umstrittenen esoterisch-theosophischen Einflüssen geprägt sind. Ein Heiler aus Passion, der sich mit Begeisterung und Leidenschaft ganz in den Dienst der Naturheilkunde stellt, wird dagegen immer nach „neuen Ufern“ und tieferen Dimensionen streben und die für uns Menschen nicht greifbaren Bereiche mit einbeziehen.

Er denkt kosmobiologisch und sucht die ganzheitliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Krankheit“. Gebet und Meditation können dabei seine Erkenntnisebene erweitern.

Letztendlich ist der Heilpraktiker mehr oder weniger ein Idealist. Die Geschichte der naturheilkundlich erfolgreichen Persönlichkeiten kennt dazu sehr viele Beispiele – Pfr. Kneipp, Pfr. Künzle, P.Häberle, Paracelsus, Alois Schmidt, Breuss, Mességue bis hin zu Prof. Niehans und Maria Treben, um nur einige Namen zu nennen.

Medizin ist zunehmend zum Wirtschaftsfaktor geworden. Die Probleme und Nachteile sind bekannt und haben Ausmaße angenommen, dass immer mehr kritische Stimmen laut werden. So konstatierte vor Jahren schon der Sozialkritiker Ivan Illich den Zustand der medizinischen Systeme folgendermaßen: „Die etablierte Medizin hat sich zu einer ernsten Gefahr für die Gesundheit entwickelt.“ Ohne seinen Thesen in allem zu folgen, kann man doch klar die Gefahren erkennen.

Ein verantwortungsbewusster Heilpraktiker wird allerdings niemals eine Ausschließlichkeit für sich beanspruchen. Er wird sich keiner Zusammenarbeit und Kommunikation verschließen, die einem Betroffenen hilfreich ist oder gar einer Notwendigkeit obliegt. Demzufolge stellt die Behandlung durch den Heilpraktiker lediglich ein mögliches Angebot im Spektrum unseres Gesundheitswesens dar. Er ist der Schulmedizin bei- oder sogar untergeordnet. Somit ist er nicht als Konkurrent, sondern als weitere Option zu verstehen.

Die gegenwärtige hoch entwickelte Medizin kann viele Gesundheitsprobleme lösen, jedoch nicht alle. Deshalb sollte es allgemein akzeptierte Räume geben, in denen Heilkundige im Miteinander wirken können.

In vielen Ländern der Welt wird es so gehandhabt. Der moderne Mensch ist gut informiert und sollte somit auch im medizinischen Bereich darüber entscheiden dürfen, wie er behandelt werden möchte, ohne von seinem Hausarzt ein schlechtes Gewissen eingeredet zu bekommen. Beide Heilweisen, die schulmedizinische und die naturheilkundliche, können voneinander profitieren. Durch gegenseitiges Respektieren eröffnen sich Möglichkeiten im Sinne der Patienten.

Die deutsche Naturheilkunde tendiert zunehmend zur Wissenschaft. Dadurch beraubt man sie vieler Elemente, wie z. B. Kreativität und Geheimnisse, deren Wirkmechanismen sich nicht erklären oder gar beweisen lassen. Sie liegen einfach in der Kenntnis der Erfahrungsheilkunde, für die es keine wissenschaftlichen Parameter gibt.

„Der ist ein Heiler, der das Unsichtbare weiß, das keinen Namen hat, keine Materie und doch eine Wirkung.“ (Paracelsus)

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Hildegard von Bingen
(1098 - 1179)

gründete das Kloster Rupertsberg bei Bingen und schrieb die ersten naturheilkundlichen Bücher, die heute die wichtigste Quelle naturheilkundlicher Kenntnisse des frühen Mittelalters in Europa sind und bis in die Neuzeit hinein an ihrer Bedeutung nichts verloren haben.